Gruppe von Bergsteigenden mit Helmen und wetterfester Kleidung auf einem schneebedeckten Gipfelgrat. Die Aufnahme zeigt die Personen in hochalpiner Umgebung mit Wolken und Schnee. | © P.J.Müller
Sechs Personen mit Steigeisen gehen in einer Reihe über einen Gletscher. Im Hintergrund sind schneebedeckte Berge und ein markanter Gipfel unter teilweise bewölktem Himmel zu sehen. | © P.J.Müller
Person mit Steigeisen springt auf einem verschneiten Gletscher. Im Vordergrund sind ein Eispickel und eine Gletscherspalte zu sehen, im Hintergrund erheben sich Berggipfel. | © P.J.Müller
Mehrere Personen bewegen sich angeseilt auf einem Gletscher. Einige befinden sich auf einer steilen Eisfläche, während andere auf einem flacheren Abschnitt stehen. Im Hintergrund sind Berggipfel und Wolken zu sehen. | © P.J.Müller
Gruppe von Bergsteigenden mit Helmen, Gurten und Hochtourenausrüstung steht vor einem Gletscher und einem schneebedeckten Berggipfel. | © P.J.Müller
Gruppe von Bergsteigenden mit Rucksäcken und alpiner Ausrüstung sitzt und steht in einem hölzernen Aussichtselement vor einer Gletscherlandschaft und hohen Berggipfeln. | © P.J.Müller
Gruppe von Bergsteigenden mit Rucksäcken und Hochtourenausrüstung an einem Aussichtspunkt vor einer Gletscherlandschaft und schroffen Berggipfeln. | © P.J.Müller

Vom Halleluja-Steinbruch auf den Gletscher

30.05.2026

Ein Tourenbericht über den Eiskurs der Sektion Bielefeld am Großglockner

Hinter dampfenden Tassen mit Kakao und Tee sitzen wir an unserem letzten Nachmittag in der Stube der Oberwalder Hütte und stellen fest: „Die Kurswoche verging rasend schnell und doch sind die ersten Kurstage gefühlt schon eine halbe Ewigkeit her!“ Wir, das sind Julia, Say, Eddie, Marlon, Leon, Moritz und Ben sowie unser Kursleiter Peter Joachim und dessen langjähriger Hochtourenpartner Chris.

Mitte Juli verbrachten wir sechs Tage auf den Schneefeldern, Gletschern und Gipfeln des Großglocknermassivs im Nationalpark Hohe Tauern in Österreich. Die Freude am Bergsport und der Wunsch, die nötigen Techniken und das Wissen zu erlangen, um sicher und bedacht erste Gipfel oberhalb der Schnee- und Eisgrenze zu besteigen, hatte uns hier zusammengebracht.

Viele von uns hatten bereits Erfahrungen im Bergwandern, Klettern und auf Klettersteigen gesammelt und so waren wir zuversichtlich, dass wir auf diesen Fähigkeiten gut aufbauen können würden. Wie viel zusätzliches Wissen für das sichere Gehen einer Hochtour nötig ist, merkten wir dann einige Wochen vor Kursbeginn auf dem Parkplatz des Halleluja-Steinbruchs. Dort standen wir bei einem Vorabtreffen vor einem Materialberg aus Schlingen, Karabinern, Seilen und Sicherungsgeräten und warfen uns verlegene Blicke zu, als wir begannen, die Dinge irgendwo an unseren Hüftgurten zu befestigen – unsicher, wofür wir sie überhaupt brauchen würden. Rückblickend hatten wir wohl auch eine gute Portion Naivität mit im Gepäck, als wir einige Wochen später an blühenden Alpinwiesen und pfeifenden Murmeltieren hoch auf die Oberwalderhütte stiegen.

Der Eiskurs in kurz

Die Oberwalderhütte liegt auf knapp 3.000 m etwas oberhalb der Pasterze, Österreichs längstem Gletscher. Für unseren Eiskurs war sie der perfekte Ausgangspunkt. Von dort gingen wir täglich auf den Gletscher und übten Gehtechniken mit Steigeisen und in Seilschaften, Sturzverhalten im Firn, Standbau in Eis und Schnee, Abseiltechniken und das Klettern mit Eisgeräten. Besonders gründlich simulierten wir Gletscherspaltenbergungen.

Nachmittags und abends saßen wir in der warmen Stube oder im Seminarraum der Hütte und planten Touren oder lernten die nötigen Knoten. Die Idee des Kurses war, die Techniken im Gelände gemeinsam durchzusprechen, sie zu üben und sie anschließend möglichst schnell auf Übungstouren oder beim Bewegen im Gelände anzuwenden. So hatten wir zahlreiche Gelegenheiten, das Gelernte immer wieder praktisch umzusetzen und dabei unsere eigenen Wissenslücken zu bemerken. 

 

Eine Übungstour auf den Johannisberg

 

Wie entscheidend diese Techniken und eine sorgfältige Tourenplanung für eine Hochtour sind, erlebten wir bei der Besteigung des Johannisbergs. Der Johannisberg ist ein 3.453 m hoher Gipfel, der durch seine leichte Zugänglichkeit gut geeignet war, um unser Wissen und das Erlernte zu testen.

Die Tour hatten wir am Vorabend in zwei Gruppen eigenständig geplant und versucht, die benötigte Zeit abzuschätzen. Trotz gleicher Route lagen unsere Schätzungen um drei Stunden auseinander. Da wir um einen Topfenkuchen gewettet hatten, war es nicht verwunderlich, dass Eddie nach wenigen Metern auffiel, dass er seinen Pickel vergessen hatte. So starteten wir mit der für unsere Gruppe typischen Gemütlichkeit statt um 7 Uhr erst um 7:30 Uhr in die Tour.

In der Nacht hatte es gefroren. Die ersten 15 Gehminuten kraxelten wir mit tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen über rutschige Felsen bis zu den ersten Eishängen. Hier legten wir unsere Steigeisen an und banden uns in drei Dreierseilschaften ein. Während wir am ersten Kurstag noch sehr zögerlich unsere ersten Schritte mit den Steigeisen gemacht hatten, war die anfängliche Sorge vor dem Abrutschen inzwischen gewichen. Bestimmt schritten wir den steilen, knusprig gefrorenen Eishang hinab zur Pasterze.

Zwischen uns und dem Fuß des Johannisbergs lagen von hier noch etwa zwei Kilometer mit Spalten durchzogenes Gletschereis. Von oben waren die Spaltenverläufe gut zu erkennen, doch auf dem Gletscher selbst ist es gar nicht so leicht, die beste Spur zu finden und die Spalten an ihren schmalsten und sichersten Stellen zu überschreiten. So mussten wir teilweise wieder ein Stück zurücklaufen und eine andere Seilschaft übernahm die Führung.

Mit jedem Höhenmeter wurden unsere Schritte etwas schwerer und die Sicht schlechter. Etwa 200 Meter unterhalb des Gipfels erreichten wir die tiefhängenden Wolken und unsere erste Seilschaft, angeführt von Moritz, verschwand in den Wolken. Trotz sorgfältiger Tourenplanung am Vorabend fiel es uns schwer, die Orientierung beizubehalten und eine gute Spur zum Gipfel zu finden. Mit unserem Wissensstand hätten wir die Tour hier abbrechen müssen, und so übernahm Peter die Führung und brachte uns entlang des Grats hinauf auf den Gipfel. 

Oben angekommen wurden wir mit einem kurzen Wolkenbruch und weiten Blicken auf den grün marmorierten Granit des Großglockners und die hunderte Meter über uns hängenden Gletscher belohnt. Nach jubelnden Umarmungen, beherzten Bissen in unsere Pausenbrote und Gipfelfotos stiegen wir mit gewachsener Ehrfurcht wieder hinab zum Gletscher.

Das Leben auf der Hütte

Das Leben auf der Hütte brachte Beständigkeit in die gefüllten Kurstage. Morgens zwischen 6 und 7 Uhr begann der Tag zwischen Müslischalen, beachtlichen Stapeln Butterbroten und duftendem Kaffee mit der Frage: „Na, gut geschlafen?“ Die zurückhaltenden Antworten und Blicke ließen bei den meisten von uns allerdings das Gegenteil vermuten. Die dünne Luft und die nächtliche Geräuschkulisse im Bettenlager sorgten nicht unbedingt für einen erholsamen Schlaf.

Abends lockte pünktlich um 18 Uhr das duftende Buffet in die warme, gesellige Stube. Danach zerstreute sich die Hüttengemeinschaft wieder. Einige holten die warme Dusche nach, die beim Andrang der am Nachmittag zurückkehrenden Bergsteiger*innen nur noch lauwarm gewesen war. Auf der Fensterbank im Treppenhaus, wo besonders guter Empfang war, wurde auf dem Smartphone die Fußball-WM verfolgt. Und im Saal planten Gruppen, über Karten gebeugt, die Routen für den kommenden Tag, spielten Karten oder saßen noch lange zusammen.

Ein Gletscher im Wandel

Bei unseren täglichen Gletscherüberquerungen erlebten wir, wie die Temperaturen die Beschaffenheit des Gletschers und damit die Gehbedingungen im Tagesverlauf veränderten. Morgens ging es über die in der Nacht fest gefrorenen Eis- und Schneefelder. Nachmittags floss das Schmelzwasser unter unseren Füßen talabwärts, und das eisige Wasser verschwand rauschend und gurgelnd in tiefen Löchern und mündete in den verborgenen Flüssen unter dem Gletscher. Das Gehen durch das angetaute Eis war beschwerlich, und der letzte Aufstieg zur Hütte wurde täglich zum anstrengenden Abschluss des Tages.

Der Rückweg von der Pasterze zur Hütte wird von Jahr zu Jahr länger und beschwerlicher, denn der Gletscher schmilzt in rasantem Tempo. Uns interessierte, wie schnell er an Masse verliert. Im Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins für die Messperiode 2024/25 wurde ein Längenverlust von zuletzt 54 m im Jahr und eine Höhenänderung der Pasterzenzunge von 7,3 m im Jahr gemessen. Es ist kaum zu glauben, dass der Gletscher noch vor wenigen Jahrzehnten hunderte Meter weiter ins Tal hinabreichte und dort, wo sich heute ein langer blaugrauer See befindet, Berge aus Eis türmten. Auf der Oberwalderhütte sind die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels auch auf 3.000 Metern so spürbar und sichtbar wie die vielen Extremwettereignisse dieses Jahres in Deutschland, Europa und weltweit. Nachdenklich stellen wir fest, dass das Hochtourengehen über weite Gletscherflächen, zumindest in unseren Breitengraden, in absehbarer Zeit wohl nicht mehr möglich sein wird.

Fazit

Hinter uns liegt eine Woche, die uns herausgefordert, uns einander nähergebracht, uns nachdenklich gestimmt und uns lachen, umarmen und jubeln lassen hat. Zufrieden blicken wir uns in der Abschlussrunde am letzten Kursnachmittag an. Die Zeit verging schnell. Wir alle haben Lust auf weitere Hochtouren bekommen. Die ersten Grundkenntnisse haben wir im Kurs von Peter und Chris erworben, aber vor allem haben wir erlebt, wie viel Übung, Planung und gegenseitiges Vertrauen zum sicheren Unterwegssein im Hochgebirge gehören.

Beim Abstieg zurück ins Tal können wir uns an dem gewaltigen Gletschermassiv des Glockners nicht sattsehen. Wir sind glücklich und erschöpft, und mit jedem Schritt fällt ein wenig Anspannung von uns ab. Immer wieder werfen wir Blicke zurück und fragen uns, wo der Gletscher stehen wird, wenn wir das nächste Mal hier vorbeischauen.

 

 

Zwei Personen sitzen im Freien auf Holzstufen in einer natürlichen Umgebung und schauen aufmerksam in dieselbe Richtung. | © Adolf Wennemann
Bündel aus Kletterausrüstung mit mehreren Karabinern, Bandschlingen und Seilen auf einer Holzbank im Freien. | © Adolf Wennemann
Nahaufnahme einer Hand, die beim Klettern einen Felsgriff umfasst. Ein Kletterseil verläuft entlang des Felsens im Vordergrund. | © Adolf Wennemann
Person mit Kletterhelm steigt an einer geneigten Felswand im Vorstieg nach oben. Ein Kletterseil und eine Zwischensicherung sind sichtbar. | © Adolf Wennemann
Person mit Kletterhelm klettert an einer geneigten Felswand und bewegt sich gesichert an einer Zwischensicherung vorbei nach oben. | © Adolf Wennemann
Person mit Kletterhelm erreicht den oberen Bereich einer Felswand und zeigt mit der Hand ein V-Zeichen. Kletterausrüstung ist am Felsrand zu sehen. | © Adolf Wennemann

Ein Klettertag im Brumleytal

01.08.2026

Am 1. August waren wir bei traumhaftem Wetter im Brumleytal bei Ibbenbüren. Die Gruppe bestand aus dem nunmehr 10. Kurs „Von der Halle an den Fels“ des Alpinzentrums Bielefeld und einigen Freunden aus der Felsklettergruppe der Sektion. Zudem hatten wir das Glück, mit Thorsten einen professionellen Photographen dabei zu haben. (Nur ein wenig Werbung: E-Mail: thorsten.neuenbaeumer@gmx.de) Hier ein paar Impressionen, denn Bilder sagen schließlich mehr als 1.000 Worte.

„Der Vereinsbus der DAV Sektion Bielefeld wird auf einem Abschleppwagen transportiert. Die Aufnahme entstand an einer Straße bei sonnigem Wetter und dokumentiert eine ungeplante Unterbrechung der Anreise.“ | © Gunnar Helms

Kurs Alpintraining im Harz

Leitung Gunnar Helms

19.06.2026

„Motor überhitzt. Bitte anhalten!“ Die Warnleuchte schickt eine Art Standplatzkommando. Na super. Bei brütender Hitze haben wir es mit sechs Leuten im Bulli ohne Klimaanlage bis Hannover geschafft. Dann fiel die Spannrolle und mit ihr die Servolenkung aus. Nichts lief mehr. 

Der Kurs Alpinklettern im Harz fing mit einem unfreiwilligen Zwischenstand an. Zum Glück funktionierte der Versicherungsservice und bald kamen Abschleppdienst und Taxi um uns zum Ersatzwagen zu bringen. Der neu geliehene Bulli hatte eine funktionierende Klimaanlage und nur drei Stunden später als geplant kamen wir bestens gekühlt im Harz an. Thomas zauberte noch schnell ein Chili sin Carne und gegen Mitternacht fielen wir in die Betten. 

Regen. Anders als vorhergesagt schlugen am nächsten Morgen Regentropfen ans Fenster. Die Wetter Apps waren sich aber einig: am Vormittag kommt die Sonne. Also Standplatzbau am Hochbett und mit ausklingendem Regen wieder ins Auto und ab ins Okertal. Nach einigen Übungen zu mobilen Sicherungen, Standplatzbau und Seilmanagement brannte inzwischen die versprochene Sonne vom Himmel und wir freuten uns über den Wind, der nicht nur um den Adler sondern auch uns über den gleichnamigen Klippengrat wehte. Der Grat der Adlerklippe ist das passende Gelände, um eine Vielzahl von Ständen mit mobilen Sicherungen zu bauen. Wer hätte gedacht, im Harz eine Tour mit neun Seillängen zu klettern. Man muss die Längen nur kurz halten. 

Déjà-vu. Chili sin Carne. Der Topf am Vorabend war größer als gedacht. Kurz nach dem Essen endet das Spiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste 2:1. Ein guter Tag. 

Déjà-vu.  Es regnet. Anders als vorhergesagt kommt der Regen nicht erst mittags. Dafür soll es am späten Vormittag in Lüerdissen wieder trocken sein. Im Regen fahren wir also Richtung Heimat und halten für ein zweites Frühstück in Eschershausen - noch ist nicht später Vormittag. Ein paar Brötchen und Cappucini später hat der Regen tatsächlich aufgehört und wir fahren hoch auf den Ith. Während wir zu den Felsen laufen, fallen die letzten Tropfen von den Bäumen und nach zwei Stunden Seiltechnik und Flaschenzügen hat die Sonne die Felsen getrocknet. Eine Route rechts der Westkante bietet sich als bestens abzusichernde Tour mit zwei Seillängen an. Gleiches bietet die Talseite vom Pfaffenstein. 
Zufrieden mit zwei vollen Tagen alpiner Kletterei vor der Haustür geht’s zurück nach Bielefeld. Es drängt sich kurz der Gedanke auf, dass sich aus den 25 Metern an Pfaffenstein und Haderturm bestimmt auch drei Seillängen machen lassen. Nächstes Mal nehmen wir einfach kürzere Seile.

Teilnehmende Personen vor der Bergen | © DAV Bielefeld
Teilnehmende Personen vor der Bergen | © DAV Bielefeld
Berge mit Schnee | © DAV Bielefeld
Schatten im Schnee | © DAV Bielefeld
Landschaftsfoto | © DAV Bielefeld
Gruppenfoto mit mehreren Menschen im Schnee mit Schaufel | © DAV Bielefeld

Vier Tage Winterweiß im Rofan

unsere Schneeschuhtour 2026 zur Erfurter Hütte

28.02.2026

Wenn wir losfahren, merkt man schon am Parkplatz vom Alpinzentrum: Das ist kein „Trip“, das ist unser festes Winter-Ritual. Seit vier Jahren gehen wir als Achtergruppe auf Schneeschuhtour – und ich (Joachim) organisiere das Ganze jedes Jahr. Der harte Kern ist immer dabei: Andreas, Jan, Björn, Stephie und Kerstin. Dieses Mal waren außerdem Lea und Max mit am Start – und damit standen wir wieder zu acht, so wie es sein soll.

 

2022 waren wir auf der Potsdamer Hütte, 2023 im Ötztal, 2024 in Pfunds, 2025 auf der Kelchalm – und 2026 hat’s uns ins Rofan gezogen: Erfurter Hütte oberhalb von Maurach am Achensee. Guter Stützpunkt, gutes Gelände – und dieses Jahr vor allem: richtig viel Sonne, aber auch eine Lawinensituation, die uns die ganze Zeit sauber „bei der Sache“ gehalten hat.

Mittwoch: Bulli an, Alltag aus

 

Mittwochnachmittag ging’s wie üblich am Alpinzentrum Bielefeld los. Wir kennen das Spiel: Taschen rein, letzter Check (Biwacksack? Handschuhe? Sonnencreme? – ja, wirklich), und dann rollt der Bulli gen Süden. Spätestens nach den ersten Kilometern sind wir im Tourenmodus: viel Quatschen, viel Vorfreude, und irgendwo fällt der Arbeitskopf einfach ab.

 

Unser klassischer Zwischenstopp war in Elfershausen: Pizza im Gasthof Zur Traube. Das ist bei uns inzwischen so fest wie das Schnallen der Schneeschuhe. Danach nochmal rund zwei Stunden weiter nach Giengen an der Brenz ins Hotel zur Zwischenübernachtung. Kein großes Tamtam – aber genau richtig, weil wir Donnerstag früh raus mussten.

Donnerstag: Dinkelkekse, Seilbahn, und erstmal „Safety first“

 

06:45 Abfahrt – und ja, da bin ich als Organisator immer etwas „pünktlich-konsequent“, weil ich einfach weiß, wie schnell sonst Zeit verloren geht. Wir sind erst nach Herbrigen, weil wir da bei einem sehr speziellen Bäcker unsere vorbestellten Dinkelkekse abgeholt haben. Dazu Brötchen und allerlei Leckereien – wir waren danach definitiv besser verpflegt als manche Hüttenwirte.

Dann weiter nach Maurach am Achensee. Am Parkplatz der Rofan-Seilbahn haben wir Michl getroffen, unseren Bergführer. Material aufnehmen: Schneeschuhe, LVS, Schaufel, Sonde – und schon beim Anziehen merkt man: Jetzt ist Winterbetrieb.

 

Mit der Seilbahn hoch zur Erfurter Hütte. Beim Einchecken hatten wir richtig Glück: zwei Vierbettzimmer für uns die ganze Zeit. Das macht das Hüttenleben als Achtergruppe extrem entspannt – keine tägliche Zimmerlotterie, kein Umräumen, einfach ankommen.

 

Nach einer kleinen Stärkung sind wir direkt raus – strahlend blauer Himmel, Sonne, und dieser Rofan-Schnee, der in alle Richtungen glitzert. Aber: Die Lawinensituation war angespannt. Deshalb haben wir nach ein paar Minuten im Gelände erstmal die Verschüttetensuche mit dem LVS nochmal gemeinsam durchgesprochen – und dann auch praktisch geübt. Unter Michls Anleitung, Schritt für Schritt, bis es wirklich sitzt. Ganz klar: Safety first. Und wir waren alle froh, dass wir das so konsequent am ersten Tag gemacht haben.

 

Danach noch eine kleine Runde im Gelände zum Reinkommen – und zurück zur Hütte. Snack, ausgiebiges Sonnenbaden auf der Terrasse, und abends ein richtig leckeres Essen. Später saßen wir mit Michl zusammen und haben das mögliche Tourenprogramm für Freitag besprochen – mit allem Für und Wider, je nachdem, wie sich die Lawinensituation entwickelt.

Freitag: Kaiserwetter – und ein Vorgipfel, der sich richtig gut anfühlt

 

Freitag: 07:00 Frühstück, 08:15 Start. Wieder blauer Himmel, wieder Sonne – und wieder eine Lage, die einen nicht vergessen lässt, dass wir im Winter sind.

 

Als Optionen standen Seekarlspitze oder Rofanspitze im Raum. Wir haben uns vorgenommen, erstmal loszugehen und am Wegabzweig zu schauen, wie die Bedingungen wirklich sind. Das war genau unser Stil: nicht stur Plan A durchziehen, sondern unterwegs entscheiden.

 

Es war übrigens richtig warm. So warm, dass wir alle irgendwann dieses „Sonne brennt, Schnee strahlt, du schwitzt trotzdem“-Gefühl hatten. Am Entscheidungspunkt haben wir uns Richtung Rofanspitze orientiert und geschaut, ob der Gipfel machbar ist.

 

Der Aufstieg war zunächst gemütlich, eher sanft – aber irgendwann war klar: Das Gelände Richtung Gipfel wird steiler als 35 Grad. Und in der aktuellen Situation war das einfach ein zu hohes Lawinenrisiko. Also haben wir sauber entschieden: Gipfel heute nicht, stattdessen ein Vorgipfel – und ganz ehrlich: Mit der Aussicht und dem Wetter hat sich das null nach „Plan B“ angefühlt.

 

Oben: Tee, Snacks, Sonne, Panorama. Wir saßen da, haben geschwiegen, gelacht, geguckt – und man merkt in solchen Momenten immer: Wir sind als Gruppe genau richtig unterwegs, weil keiner irgendwem was beweisen muss.

 

Zurück ging’s ruhig und mit vielen kleinen „Michl-Momenten“: Gelände lesen, Schnee beobachten, Entscheidungen erklären. Gegen 15:00 waren wir wieder auf der Hütte und haben uns auf der Sonnenterrasse gestärkt. Abends wieder ein starkes Essen, danach Tagesrückblick und Planung für Samstag: Klobenjoch oder Seekarlspitze. Und ganz nebenbei haben wir an dem Abend auch schon den Zeitraum für unsere Schneeschuhtour 2027 festgelegt – weil wir eben so ticken.

Samstag: Wald, Querungen, Rutsch-Gaudi – und Lawinenkunde zum Anfassen

 

Samstag sind wir bei blauem Himmel schon um 08:00 los, weil wir ein lawinengefährdetes Gelände queren mussten und auf dem Rückweg nicht „zu spät“ dort durch wollten. Zeitmanagement ist im Winter halt nicht nur Orga, sondern Sicherheit.

 

Wir sind Richtung Klobenjoch / Dalfaza Alm gestartet. Nach dem offenen Gelände vom Freitag war’s diesmal deutlich waldiger – richtig angenehm und irgendwie gemütlich. Nach ein paar Kilometern wurde es wieder offener und wir kamen an die Steilhänge, die wir als kritisch eingeschätzt haben. Dann lief’s bei uns sehr rund: anhalten, gemeinsam bewerten, Michls Einschätzung dazu – und dann weiter, aufmerksam und sauber im Queren. Immer mit Blick nach oben.

 

Nach der Dalfaza Alm (leider geschlossen, kein Winterbetrieb) wurde der Anstieg spürbar. Trotz etwas kühlerem Wind: wir haben ordentlich geschwitzt. Und wieder: Der Gipfel wurde nix – das letzte Stück ging durch Latschen und der Schnee war nicht hoch genug, um da sinnvoll durchzukommen. Also Pause auf einem Plateau unterhalb. Tee, Snacks, Aussicht. Kein Frust, eher dieses „passt schon – heute ist das unser Punkt“.

 

Und dann kam der Teil, den wir alle nicht vergessen werden: Rutschen! Erst sind Stephie, Jan, Michl und Lea auf dem Hosenboden runter, später sind wir im Grunde alle gerutscht – zwischendurch wieder ein paar Meter gehen – und dann nochmal rutschen. Das war so eine Gaudi, dass wir vor Lachen teilweise kaum noch geradeaus gucken konnten.

 

An der Dalfaza Alm haben wir nochmal lange in der Sonne Pause gemacht. Danach wieder zurück durchs kritische Gelände – wieder bewertet, wieder zügig gequert.

 

Und dann hat Michl uns noch abseits geführt, weil er uns den Schneeaufbau zeigen wollte. Wir haben einen Schneehügel gesucht, eine Wand freigelegt, Schichten angeschaut, über Körnung, Stabilität und das „Altschnee“-Problem gesprochen. Und dann der Klopftest an der Schneesäule – das war wirklich spannend, weil man auf einmal sieht, wie so ein Bruch entstehen kann. Theorie wird da plötzlich sehr real.

 

Gegen 15:00 waren wir wieder an der Hütte: Snack auf der Sonnenterrasse, etwas entspannen, um 18:00 Abendessen. Die Wettervorhersage für Sonntag war nicht gut, und beim Essen zog es auch schon zu – die Stimmung blieb aber gut, weil wir wussten: Wir entscheiden morgen früh, was sinnvoll ist. Wir hatten grob die Seekarlspitze im Kopf, aber auch die Uhrzeit für die Heimreise.

Sonntag: Nebel, Niesel, und ein runder Abschluss

 

Sonntagmorgen war’s dann komplett anders: Nebel, leichtes Nieseln, Sicht deutlich eingeschränkt. Nach zwei Tagen Sonne war das fast schon „andere Tour“.

 

Wir sind trotzdem raus – kleine Runde Richtung Seekarlspitze. Es war spannend, mal im Nebel unterwegs zu sein, weil sich alles anders anfühlt: Distanzen, Orientierung, Geräusche. Michl hat uns erklärt, worauf man achten muss und was die typischen Gefahren sind. Dazu kam das Thema Nassschnee, weil Regen das Risiko von Nassschneelawinen erhöhen kann. Er hat uns immer wieder gefragt, wie wir die Situation einschätzen und warum – das war richtig gut, weil man so aktiv im Kopf bleibt.

 

Nach etwa einer Stunde sind wir wieder umgedreht und gegen 11:00 an der Hütte angekommen. Trockene Sachen, zweites Frühstück, durchatmen. Um 12:00 ging’s mit der Seilbahn ins Tal. Material zurück, Abschied von Michl – und dann ab nach Hause. Um 20:45 waren wir wieder am Alpinzentrum in Bielefeld.

Was wir mitnehmen

 

Am Ende war’s wieder genau das, was unsere Schneeschuhtouren ausmacht: als Gruppe unterwegs sein, viel lachen, viel draußen sein – und gleichzeitig Winter ernst nehmen. Beim Thema Lawinen bleibt’s dabei: Es gibt keine 100% Sicherheit. Es geht ums Einschätzen, Abwägen, und im Zweifel ist umgehen oder umkehren die richtige Entscheidung. Das hat Michl uns nicht nur gesagt – wir haben es in unseren Entscheidungen auch gelebt.

 

Und zur Erfurter Hütte: wirklich eine schöne Hütte, tolles Essen, sehr freundlicher Service. Wir haben uns die ganze Zeit willkommen gefühlt – und genau so soll’s sein, wenn man vier Tage im Schnee „zuhause“ ist.

 

Vier Tage, die sich nach mehr anfühlen als vier Tagen. Und ganz ehrlich: 2027 kommt. Natürlich kommt 2027.