Bei unseren täglichen Gletscherüberquerungen erlebten wir, wie die Temperaturen die Beschaffenheit des Gletschers und damit die Gehbedingungen im Tagesverlauf veränderten. Morgens ging es über die in der Nacht fest gefrorenen Eis- und Schneefelder. Nachmittags floss das Schmelzwasser unter unseren Füßen talabwärts, und das eisige Wasser verschwand rauschend und gurgelnd in tiefen Löchern und mündete in den verborgenen Flüssen unter dem Gletscher. Das Gehen durch das angetaute Eis war beschwerlich, und der letzte Aufstieg zur Hütte wurde täglich zum anstrengenden Abschluss des Tages.
Der Rückweg von der Pasterze zur Hütte wird von Jahr zu Jahr länger und beschwerlicher, denn der Gletscher schmilzt in rasantem Tempo. Uns interessierte, wie schnell er an Masse verliert. Im Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins für die Messperiode 2024/25 wurde ein Längenverlust von zuletzt 54 m im Jahr und eine Höhenänderung der Pasterzenzunge von 7,3 m im Jahr gemessen. Es ist kaum zu glauben, dass der Gletscher noch vor wenigen Jahrzehnten hunderte Meter weiter ins Tal hinabreichte und dort, wo sich heute ein langer blaugrauer See befindet, Berge aus Eis türmten. Auf der Oberwalderhütte sind die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels auch auf 3.000 Metern so spürbar und sichtbar wie die vielen Extremwettereignisse dieses Jahres in Deutschland, Europa und weltweit. Nachdenklich stellen wir fest, dass das Hochtourengehen über weite Gletscherflächen, zumindest in unseren Breitengraden, in absehbarer Zeit wohl nicht mehr möglich sein wird.
Fazit
Hinter uns liegt eine Woche, die uns herausgefordert, uns einander nähergebracht, uns nachdenklich gestimmt und uns lachen, umarmen und jubeln lassen hat. Zufrieden blicken wir uns in der Abschlussrunde am letzten Kursnachmittag an. Die Zeit verging schnell. Wir alle haben Lust auf weitere Hochtouren bekommen. Die ersten Grundkenntnisse haben wir im Kurs von Peter und Chris erworben, aber vor allem haben wir erlebt, wie viel Übung, Planung und gegenseitiges Vertrauen zum sicheren Unterwegssein im Hochgebirge gehören.
Beim Abstieg zurück ins Tal können wir uns an dem gewaltigen Gletschermassiv des Glockners nicht sattsehen. Wir sind glücklich und erschöpft, und mit jedem Schritt fällt ein wenig Anspannung von uns ab. Immer wieder werfen wir Blicke zurück und fragen uns, wo der Gletscher stehen wird, wenn wir das nächste Mal hier vorbeischauen.